Francisco de Goya

1746 Fuendetodos, Aragón – 1828 Bordeaux

Brustbildnis eines Offiziers

Öl auf Kupfer, oval, 5,5 x 5,2 cm, in Metallrahmen aus der Zeit

Goya führte kurz nach 1800 kleinformatige Porträts in Öl aus, beschäftigte sich später aber auch mit der Miniaturmalerei auf Elfenbein. Obwohl diese beiden Kunstgattungen eigentlich nichts – was die künstlerische Technik betrifft – gemeinsam haben, so spielt zumindest das Format eine gemeinsame Rolle. Es gibt nur wenige erstklassige Künstler, die im 19. Jahrhundert kleinformatige Porträts in Öltechnik ausgeführt haben.

1805 malte Goya eben derartige Miniaturporträts seiner Familie. Erhalten sind heute sechs annähernd gleich große Porträts (rund, DM ca. 8 cm), die neben seinem Sohn Francisco Javier, dessen Gattin Gumersinda auch weitere Familienangehörige der Gemahlin zeigen (1).  Ursprünglich gehörten zu  dieser Serie auch die Eltern des Brautpaares. Fast alle Personen sind bis zur Brust  und  in seitlicher Kopfhaltung dargestellt, nur eine Schwester der Braut, Cesárea  Goicoechea y Galarza ist in Profilhaltung dargestellt.

Fast 20 Jahre später fertigte Goya eine kleinformatige Zeichnung, die seinen Neffen Francisco Otín y Duaso, der Bibliothekar in der königlichen spanischen Akademie war (2) – wieder im kreisrunden Format und in Profilhaltung bis zur Brust.

Aber auch seinen geliebten Sohn Javier zeichnete er im selben Jahr mit schwarzer Kreide – auch hier wieder im kreisrunden Format in einem Dreiviertelprofil (3).

Im Format und der Haltung sind schon gewisse Übereinstimmungen zu finden. Aber auch im malerischen Duktus findet man Ähnlichkeiten zu den Ölminiaturen Goyas. Die Pinselstriche sind sichtbar und manche Farben – wie das Gelb und Weiss bei den Hüten der Mädchen – sind als Höhungen mit einem breiteren Pinsel aufgetragen. Diese Technik findet man auch in der roten Uniform des Offiziers. Der Hintergrund ist auch in einer einheitlichen dunkelbraunen Farbe ausgeführt. Die restlichen Teile des Bildes – wie die Uniform und auch das Gesicht und vor allem die Haare – sind schnell und fast skizzenhaft gestaltet. Aber auch die Physiognomie des Offiziers strahlt eine fast bedrohliche Stimmung  in der hyperrealitischen Malerei aus, die in der künstlerischen Gestaltung fast wie eine Karikatur eines Soldaten wirkt.

Die Miniatur wurde in einem kleinen portugiesischen Auktionshaus als anonyme Arbeit des 19. Jahrhunderts angeboten. Einige Farbabsplitterungen wurden fachmännisch restauriert. Der verschmutzte Rahmen und die dazugehörige Kordel sprechen dafür, dass diese Miniatur unbeachtet aus Privatbesitz stammt. Miniaturen sind eher ein Gebiet für Spezialisten ist und gerade im Werk Goyas sind nur die auf Elfenbein gemalten Szenen bekannt.

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1 – Bray, Xavier -The Portraits GOY, herausgegeben anlässlich der Ausstellung in der National Gallery, London (7.10.2015 – 10.1. 2016), S. 152 mit Abbildungen.

2 – Bray, Xavier – op. cit., Seite 195 mit Abbildung (schwarze Kreide, 15,5 x 11 cm), Privatbesitz

3 – Bray, Xavier – op. cit., Seite 197 mit Abbildung (schwarze Kreide, Blattgröße 14,9 x 12,5 cm) – Privatbesitz

Preis: auf Anfrage