Georges Antoine KEMAN

Schlettstadt/Elsaß 1765 – 1830

Halbbildnis einer stehenden Dame

(Gegenstück zum Porträt eines sitzenden Herren)

Signiert: Keman

Aquarell und Gouache auf Elfenbein, DM 7,5 cm

Provenienz: Sammlung Schidlof

Literatur: Leo Schidlof, The Miniature in Europe, Graz 1964, Band I, S.422, Band II, S. 984, Herrenbildnis abgebildet in Band IV, Fig. 640, Pl. 319
Ausgestellt: Meisterwerke der Europäischen Miniaturmalerei von 1750 – 1850, Albertina, Wien 1965, Kat-Nr. 233 (Damenbildnis), rückseitig Etiketten der Ausstellung

Die beiden Porträtminiaturen, obwohl als Paar konzipiert, sind sowohl in der Komposition als auch in der malerischen Ausarbeitung sehr unterschiedlich. Während das Herrnbildnis in den Hautpartien sehr plastisch und auch mit kräftigen, fast grellen, in Orangetönen gehaltenen Farben ausgeführt wurde, zeichnet sich das Damenbildnis durch die fast unberührte malerische Struktur des Elfenbeins und sehr sparsam aufgetragenen grauen Farbschattierungen aus. Durch diese unterschiedliche Ausarbeitung versuchten die Künstler, das Männliche bzw. Weibliche in den Darstellungen besonders hervorzuheben. So sind im Gesicht des Herrn noch weiße Striche aufgetragen, die die Reliefstruktur noch stärker hervorheben sollten.
Doch trotz dieser Unterschiede zeigen sich in der Behandlung des Gewandes wiederum Übereinstimmungen. Die Farben sind deckend aufgetragen und mit sichtbaren Pinselstrichen werden die Falten der Kleidung akzentuiert. Diese großzügige Gestaltung zeichnet die französischen Miniaturisten aus. Außerhalb Frankreichs konnte nur noch Füger diese Technik virtuos anwenden.
Keman war ein viel beschäftigter Künstler. Von 1784 bis 1789 hielt er sich in Paris auf, wo er seine künstlerische Ausbildung absolvierte,1790 wieder in seiner Heimatstadt, 1790 bis 1792 in Paris und von dort reiste er nach London und 1796 nach Bristol. Dieses Miniaturenpaar stammt noch aus seiner Pariser Zeit um 1790. Miniaturen von Keman sind sehr selten.

Preis: 5.700 €